Die neuen AI-Funktionen in darktable: Helfer, keine Erfinder
Mit darktable 5.6 hält künstliche Intelligenz (AI) Einzug in deinen Workflow. Aber keine Sorge: darktable wird nicht plötzlich zum Bildgenerator. Das Team setzt ganz bewusst auf „Narrow AI“ – kleine, spezialisierte Werkzeuge, die genau eine Aufgabe perfekt erledigen, ohne den Inhalt deines Fotos zu verändern.
Das darktable Versprechen: Deine Szene bleibt echt
Bevor wir zu den Funktionen kommen, das Wichtigste vorab:
- 100% Lokal: Alles berechnet dein eigener PC (CPU oder GPU). Es werden keine Daten in eine Cloud geschickt.
- Echtheit: Es gibt kein „Sky Replacement“ oder das Einfügen von Objekten. Die AI repariert technische Mängel (Rauschen) oder hilft beim Maskieren, aber sie erfindet nichts dazu.
- Freiwillig: Die AI-Funktionen sind standardmäßig ausgeschaltet. Du entscheidest in den Einstellungen (Tab „AI“), ob du sie nutzen möchtest.
Die 4 Kernaufgaben der AI in darktable
Stell dir AI in darktable wie einen hochspezialisierten Assistenten vor, der dir lästige Aufgaben abnimmt:
- Maskieren (Magic Masking):
Anstatt Masken mühsam mit der Hand zu zeichnen, klickst du ein Objekt an. Ein Modell (wie SAM 2.1) erkennt die Grenzen und erstellt automatisch eine präzise Maske. Ideal, um schnell das Hauptmotiv vom Hintergrund zu trennen. - Entrauschen (Denoise):
Die klassische Rauschreduzierung stößt oft an ihre Grenzen (Pixelmatsch). Das AI-Modell erkennt den Unterschied zwischen echtem Bilddetail und Sensorrauschen und liefert deutlich sauberere Ergebnisse ohne „blockig“ zu wirken. - RAW-Entrauschen (Raw Denoise):
Das ist die „Königsdisziplin“. Das Rauschen wird entfernt, bevor das Bild überhaupt entwickelt (demosaiced) wird. Das Ergebnis wird als neue DNG-Datei gespeichert, die du dann ganz normal weiterverarbeiten kannst – mit maximaler Bildqualität. - Upscale (Super-Resolution):
Du hast einen extremen Ausschnitt oder ein altes, kleines Foto? Die AI kann das Bild um das 2-fache oder 4-fache vergrößern und dabei Details „erahnen“, wo normale Pixel-Vergrößerungen nur Matsch produzieren würden.
So nutzt du die AI frustfrei
- Opt-In: Gehe in die Einstellungen -> AI und aktiviere die Unterstützung. In den offiziellen Versionen (Windows installer, macOS dmg, AppImage) ist alles Nötige bereits enthalten.
- Modellwahl: Für jede Aufgabe (z.B. Entrauschen) kannst du in den Einstellungen verschiedene Modelle wählen. Wenn ein neues, besseres Modell erscheint, kannst du es mit einem Klick aktivieren, ohne dass du ein Modul im Darkroom umstellen musst.
- Die AI ist nicht perfekt: Wie jeder Assistent hat auch die AI mal einen schlechten Tag. Bei extremen Belichtungen oder sehr ungewöhnlichen Motiven kann das Ergebnis mal daneben liegen. In diesem Fall hast du immer noch die klassischen darktable-Module als Fallback.
Fazit: AI in darktable 5.6 ist kein Hokuspokus, sondern ein Werkzeugkasten für bessere Qualität und schnelleres Arbeiten. Es unterstützt dich da, wo Technik an Grenzen stößt, lässt dich als Fotograf aber immer am Steuer sitzen.
Hinweis für Linux-Nutzer: Falls du darktable über deine Paketverwaltung beziehst und der „AI“-Tab in den Einstellungen fehlt, nutzt dein Distributor eventuell eine Version ohne AI-Support. In diesem Fall empfiehlt es sich, das offizielle AppImage zu nutzen.
Das neue AI-Subsystem in darktable 5.6: Installation & Praxis
Mit der Version 5.6 führt darktable ein optionales AI-System ein. Das Besondere: Es ist komplett vom Rest des Programms getrennt. Wenn du es nicht einschaltest, werden nicht einmal die Bibliotheken dafür geladen. Sobald du es aber aktivierst, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten.
1. Startklar machen: Installation & Hardware
Damit die AI-Funktionen flüssig laufen, sollten sie auf deiner Grafikkarte (GPU) berechnet werden. Das Team hat dafür praktische Skripte erstellt:
- Linux & Windows: Es gibt neue Installations-Skripte, die automatisch erkennen, ob du eine NVIDIA, AMD oder Intel Grafikkarte hast. Sie installieren den passenden „Treibersatz“ (Runtime), damit darktable die Rechenpower deiner GPU nutzen kann.
- macOS: Hier ist alles bereits „an Bord“ – Apple-Nutzer müssen nichts extra installieren.
- Sicherheits-Netz: Sollte die Grafikkarte einmal zu wenig Speicher haben oder abstürzen, schaltet darktable automatisch auf den Prozessor (CPU) um, damit die Aufgabe trotzdem abgeschlossen wird.
2. Das Highlight: Der AI-Objekt-Maskierer
Im Masken-Manager der Dunkelkammer findest du ein neues Werkzeug, das fast wie Zauberei wirkt. Es nutzt Modelle wie SAM 2.1:
- Einfach Klicken: Klicke auf ein Objekt, und die AI erkennt die Grenzen fast perfekt.
- Verfeinern: Du kannst mit weiteren Klicks dem Assistenten sagen: „Das hier gehört dazu (Vordergrund)“ oder „Das hier gehört nicht dazu (Hintergrund)“.
- Präzise Kanten: Ein optionaler Filter (DenseCRF) sorgt dafür, dass die Kanten extrem sauber am Objekt anliegen.
- Export-Option: Wenn du extrem feine Details brauchst, kannst du die Maske sogar als PNG-Datei exportieren.
3. Das Modul „Neural Restore“ (Neuronale Wiederherstellung)
In der Seitenleiste (Leuchttisch/Dunkelkammer) gibt es das neue Modul neural restore. Es vereint drei große Aufgaben:
- Denoise & Raw Denoise: Hier kommen moderne Modelle wie NIND zum Einsatz. Du kannst das Ergebnis mit einem Stärke-Regler feinjustieren, um genau die richtige Balance zwischen Rauschfreiheit und Texturerhaltung zu finden.
- Upscale (Vergrößern): Mit den RealPLKSR Modellen kannst du Bilder 2-fach oder 4-fach vergrößern.
- Vorschau-Modus: Es gibt eine interaktive Vorher/Nachher-Ansicht mit einem Bereichswähler, damit du genau siehst, was die AI macht.
- Workflow: Wenn du ein Bild mit AI entrauschst oder vergrößerst, erstellt darktable automatisch eine neue Datei (DNG oder TIFF), importiert diese zurück in deine Bibliothek und gruppiert sie mit dem Original. Tags und Metadaten werden dabei automatisch übernommen.
4. Gut zu wissen (für Profis)
- Kein Neustart nötig: Du kannst die AI-Funktionen in den Einstellungen jederzeit ein- oder ausschalten, ohne darktable neu zu starten.
- Modell-Auswahl: Standardmäßig werden sehr gute Modelle mitgeliefert. Du kannst aber über ein konfigurierbares Repository weitere Modelle (wie NAFNet oder BSRGAN) nachladen und testen.
- Stapelverarbeitung: Die AI-Funktionen funktionieren auch bei der Bearbeitung vieler Bilder gleichzeitig. Dank „Tiled Inference“ können auch sehr große Bilder verarbeitet werden, ohne den Speicher deiner Grafikkarte zu sprengen.
Tipp vom darktable.info Team:
Besonders das Raw Denoise ist ein Gamechanger für Nachtaufnahmen oder Fotos mit sehr hohen ISO-Werten. Es lohnt sich, die GPU-Skripte einmal auszuführen, um die volle Geschwindigkeit zu erleben!
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Letzes Update: Juni 15, 2026
